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Bild des Monats – Kettenschiff Määkuh

Kettenschiff Määkuh
Bug/Heck-Ansicht des Kettenschiffs

Der verrostete Rumpf eines Kettenschiffs, der hier eingezäunt am Ufer des Mains liegt, ist das letzte Relikt einer kuriosen Periode der Schifffahrt auf dem Fluss.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die traditionelle Treidelschifffahrt mit Pferden “industrialisiert”. Im Main wurde eine schwere Kette verlegt, an der sich ein dampfbetriebenes Kettenschiff gegen die Strömung den Fluss hochzog.

Das Kettenschiff selbst trug keine Fracht, es war nur der Schlepper für eine Reihe von Lastkähnen. Das Bild zeigt eine der beiden Umlenkrollen, über die die Kette aus dem Fluss geholt und längs über den Schiffsrumpf geführt wurde. Mitten auf dem Rumpf stand die Dampfmaschine. Dort wurde die Kette um dicke Walzen gelegt, die ihrerseits von der Dampfmaschine betrieben wurde.

Ähnlich wie Dampfloks hupten die Kettenschiffe, während sie auf dem Fluss unterwegs waren. Die dunklen Schiffshupen erinnerten offenbar so sehr an das Muhen von Kühen, dass die Schiffe Mainkühe genannt wurden – Määkuh im lokalen Sprachgebrauch.

Das Bild zeigt auch eine weitere wichtige Eigenschaft des Kettenschiffs. Der Main war ein Fluss mit einer sehr geringen Wassertiefe. Das Kettenschiff hat daher nur einen geringen Tiefgang von rund 60 cm und konnte den Großteil des Jahres fahren.

Von 1886 bis 1936 waren Kettenschiffe auf dem Main von Mainz bis Bamberg im Einsatz und transportierten Massengüter, wie Kohle aus dem Ruhrgebiet, den Fluss hinauf.

Ab 1886 wurde der Main allerdings auch schon von Mainz bis Frankfurt aufgestaut. Die größere Wassertiefe des Flusses und die Schleusen machten die Kettenschifffahrt unrentabel gegenüber schraubenbetriebenen Frachtschiffen und sie zog zusammen mit dem Bau weiterer Staustufen den Fluss hinauf.

Die letzte der Määkühe liegt als Wrack auf einer Werft zwei Kilometer stromaufwärts von Aschaffenburg und wartet darauf, ein würdigeres Dasein als Industriedenkmal zu bekommen.

Määkuh
Seitenansicht des Kettenschiffs
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